Montag, 3. Mai 2010

Sonntag - Tag 11 (Cape of Good Hope)

Bin ja ehrlich froh, ist da nebenan eine Kirche, die bereits sonntag morgen um 06:30 mit lauter Pop-Musik die Leute in der Nachbarschaft weckt. Sonst hätt ich vermutlich verschlafen, hätte den Wecker nicht gehört und wäre nicht rechtzeitig aufgewacht und hätte dann zu guter Letzt noch die Abfahrt um 09:00 Uhr verpasst.



Nun jedenfalls war ich so zeitig unterwegs und war auch froh, hab ich mich entschlossen, das Bike zu nehmen. Ich hab den Treffpunkt nicht gefunden und musste mich bei etlichen Leuten erkunden, wo denn die entsprechende Strasse ist. Aber auch da war ich dann doch pünktlich, wenn auch verschwitzt angekommen. Ich wollte dann mein Bike draussen abgeschlossen stehen lassen, doch der Fahrer wollte es im Schulhof haben. Es sei halt nicht sicher hier. Da das Schultor verschlossen haben, bin ich über die Mauer geklettert, die oben mit diesen eckelhaften Spiessen versehen war. Das Bike haben wir dann sicher im Hof platziert. Nun denn, dann musste ich wieder aus dem Hof 'ausbrechen'. Das war leichter, als reinzukommen. Jedenfalls hab ich dann gemerkt, dass ich einen Finger aufgespiesst habe. Aber was soll's - alles halb so schlimm.

Beim nächsten Treffpunkt steigen noch ein paar Leute zu. Mit zwei Büsschen fahren wir durch die Stadt und Richtung Süden. Der erste Halt ist bereits oberhalb der Stadt auf dem Signal-Hill bzw. dem Lions-Head. Eine tolle Aussicht über Cape Town zu den Robben-Island, über das neue Wahrzeichen (das neue Fussballstadion) und rauf zum Tafelberg lassen einem Träumen. Robben-Island war bis 1996 ein Gefängnis. Hier sass auch Nelson Mandela seine Zeit ab, bis er dann Präsident wurde. Heute ist Robben-Island Weltkulturerbe und Museum und eine Besucherattraktion. Auch das Nachtessen in Form von ein paar Rebhühnern oä läuft einem über den Weg. Dann gehts weiter, alles der Atlantikküste entlang, vorbei an der Universtität, an der 28'000 Studenten studieren, am Castle of Good Hope, an wunderbaren Sandstränden. Wir kommen zu einem Hafen von Hout Bay ein und geniessen noch einen kurzen Rundgang, dann wird eingeschifft und wir sind auf dem Weg zum Seal-Island (offiziell: Duiker-Island). Diese aus dem Wasser ragende Steinmasse wird von Seehunden bewohnt. Einen angenehmen Duft hinterlassen diese Viecher jedenfalls nicht. Aber köstlich anzusehen, wie sie sich im Wasser tummeln oder auch nur auf dem Felsen chillen oder sich kratzen.

Über die Chapmans-Rode gehts dann weiter. Zwischendurch immer mal wieder ein Stopp um die Aussicht, die Natur zu geniessen. Auch die grösste Anthilopenart ist hier anzutreffen. Allerdings ist nur ein Blick von weitem möglich. Dann behindern die berühmt berüchtigten Baboons die Weiterfahrt. Baboons sind Bärenpaviane und vom Aussterben bedroht. Diese treten hier ziemlich frech auf. Man wird vor ihnen ständig gewarnt. In Good Hope Park eingetroffen, gehts erst mal zum Essen. Ich entschliesse mich erst für ein Sandwich, schliesslich will ich ja was sehen von dieser Ecke. Ich werd es später nicht bereuen. Es ist ziemlich windig hier und eine Jacke ist durchaus angebracht. Da sitze ich nun draussen und geniesse meinen Imbiss, das erste Sandwich für mich, das zweite für diese frechen Vögel. Hab gerade mein zweites Brötchen in der Hand, da kommt ein Vogel beflogen und reisst es mir buchstäblich aus der Hand. Sämtliche Vögel rundum sind dankbar und stürzen sich drauf. Ich steh ziemlich dumm da und frage mich, warum auf allen Schildern Baboons steht und nicht Birds. Das Cape of Good Hope mit seinem Strand wird von oben begutachtet, weiter gehts dann zum südlichsten Punkt zum Cape Point mit seinen zwei Leuchttürmen. Wobei nur noch der kleine ganz vorne an der Landspitze in Betrieb ist. Der grössere wird nicht mehr benutzt. Hier befindet sich heute die Global Atmosphere Watch Station. Der Weg zum Cape Point ist einfach aber mühsam wegen dem starken Wind. Hier windet es ständig. Teilweise muss man sich richtig gegen den frischen Wind lehnen um nicht weggeblasen zu werden. Die vegetation ist sehr grün, doch es wachsen hier nur Sträucher. Die müssen auch ziemlich zäh sein. Grössere Tiere leben hier nicht. Die Baboons sind wohl die grössten so weit südlich. Nur die lassen sich heute hier auch nicht blicken.

Dann noch ein Abstecher zu den Klippen runter vom Cape of Good Hope. Es ist Zeit für die Rückkehr. Die führt uns über Simonstown, wo eine Kolonie von Brillenpinguinen ihre Nester hat. Diese hausen in Höhlen, die sie in den sandigen Boden gegraben haben. Die Jungtiere sind jetzt schon etwas grösser, haben aber immer noch ihr graues flauschiges Fell.

Zurück bei der Schule gilt es dann noch das Bike aus dem Garten zu holen. Nur das Reinkommen in den Garten ist nicht so einfach. Beim Versuch die Mauer zu überwinden, dringt einer dieser ekelhaften Stachel recht tief in meinen Handballen. Seither schmerzt die Hand ziemlich stark. Aber wird schon wieder. Mit Hilfe von Fahrer, dem Bus und einigen Tourteilnehmern kriegen wir das Rad doch wieder aus dem Hof raus.
Wie rücksichtslos dann einige Autofahrer sein können, zeigt sich dann beim Heimfahren. Da kommt doch von hinten einer angeschossen und knallt seinen Aussenspiegel an mein Lenkrad. Der Aussenspiegel ist weg und weisst eine schöne Beule auf. Glücklicherweise hat es mir nichts gemacht, ich fahre immer noch. Doch der einheimische, mittelmässig pigmentierte Fahrer ist richtig wütend und will Schadenersatz.  Nicht mein Fehler, nicht mein Problem sag ich ihm und fahre weiter. Nach drei fehlgeschlagenen Versuchen, mich zu stoppen halte ich dann doch mal an. Er ist nicht ruhiger geworden - komisch. Nachdem ich dann die Polizei ins Spiel gebracht habe ist er dann irgendwann davongebraust. Oder vielleicht war es auch der Mann auf der gegenüberliegenden Strassenseite, der das Ganze auf Film festgehalten hat. Wer weiss. Ich bin mir jetzt jedenfalls nicht sicher, ob jetzt die Hand von diesem eingedrungenen Stachel oder vom harten Schlag durch das Auto schmerzt. Jedenfalls werde ich wohl noch lange an beide Vorfälle erinnert.

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